Aufmerksamkeitsökonomie

Was Auswahlüberlastung erklären kann und was Lorenz-Kurve, Gini und der simulierte Frustrationsindex tatsächlich messen.

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  • Quellen

Aufmerksamkeit ist eine begrenzte Ressource

Ein Like, eine Profilansicht und eine beantwortete Nachricht sind unterschiedliche Ereignisse. Wer nur Likes zählt, kennt die Zahl der tatsächlich gezeigten Profile noch nicht. Eine ungleiche Verteilung kann durch Auswahlentscheidungen, einen ungleichen Pool und die Reihenfolge der Empfehlungen entstehen.

Auswahl kann die Auswahl verändern

Pronk und Denissen untersuchten in drei Experimenten einen zunehmenden Ablehnungsmodus während der Bewertung von Dating-Optionen. Solche Versuche helfen, Entscheidungsprozesse zu verstehen; daraus folgt keine allgemeine Burnout-Quote und keine sichere Ursache für Beschwerden einzelner Personen. 6

Für den Alltag ist es sinnvoll, zwischen vielen verfügbaren Profilen und tatsächlich passenden Optionen zu unterscheiden. Mehr Auswahl ist nicht automatisch mehr Gesprächskapazität. Eine Pause oder ein kleinerer Suchraum kann eine persönliche Entscheidung sein; CupidLeaks leitet daraus kein Erfolgsversprechen ab.

Konzentration beschreiben

Eine Lorenz-Kurve sortiert Profile nach der Zahl erhaltener Likes und stellt kumulierte Anteile gegenüber. Die Diagonale steht für Gleichverteilung. Der Gini fasst den Abstand zu dieser Diagonale zusammen. Er sagt nichts darüber aus, ob ein Kontakt erwünscht, sicher oder passend war.

  • Gleichverteilung
  • Rechenbeispiel
Lorenz-Kurve eines synthetischen Rechenbeispiels Im Rechenbeispiel bekommen die obersten 10 % der Profile rund 58 % aller Likes, die untere Hälfte nur rund 6 %. Abstand zur Gleichverteilung = Gini 0,69. 0 % 0 % 25 % 25 % 50 % 50 % 75 % 75 % 100 % 100 % Kumulierter Anteil der Profile (sortiert von wenig zu viel Likes) Kumulierter Anteil aller Likes Abstand zurGleichverteilung = Gini 0,69
Im Rechenbeispiel bekommen die obersten 10 % der Profile rund 58 % aller Likes, die untere Hälfte nur rund 6 %.

Das Diagramm ist ein synthetisches Rechenbeispiel, dasselbe wie auf der Startseite. Die schraffierte Fläche zwischen Diagonale und Kurve ist der Abstand zur Gleichverteilung; je größer sie ist, desto höher der Gini (0 = alle bekommen gleich viel, 1 = ein Profil bekommt alles). Die Kurve illustriert Konzentration und ist keine Messung einer Dating-App. Im Labor entstehen neue Kurven aus dem jeweiligen Simulationslauf, je nach Engine und Startwert mit deutlich anderen Werten.

Der dortige „Burnout“-Index ist ein programmierter Frustrationswert. Er ist weder eine klinische Skala noch der Anteil erkrankter oder erschöpfter Menschen. Auch eine im Modell ausgelöste Abwanderung ist keine Prognose für reale Nutzende.

Quellen

  1. [6] Pronk & Denissen — A Rejection Mind-Set: Choice Overload in Online Dating
    2020 (online 2019) · Geprüft: 2026-09-10

    Experimentelle Studien; begrenzte Übertragbarkeit auf langfristige App-Nutzung.